Fluter Magazin
Juni 2011

Ich furz dir in den Bart
Auch ein schöner Beruf: Schimpfwortforscher


Fabian Dietrich

Die Karriere des Sprachwissenschaftlers Reinhold Aman begann denkbar harmlos. 1968 schrieb er seine Dissertation noch darüber, warum im "Parzival" ein Ritter als Gans bezeichnet wird, obwohl man so doch heute nur Frauen nennt. Dann entschied er sich dazu, tiefer in der verbalen Kloake der Menschheit zu wühlen. "Die Brustmilch deiner Mutter war Kamelpisse" (arabische Länder), "Ich furze deinem Vater in den Bart" (Iran).

Aman hat nach eigenen Angaben bis heute Beleidigungen und Flüche aus 220 Sprachen und Mundarten zusammengetragen. Und noch immer ist er fasziniert davon, wie kreativ Menschen sind, wenn es darum geht, anderen Menschen mit Worten weh zu tun. Mit seiner Arbeit begründete Aman eine eigene Forschungsrichtung, die "Malediktologie" oder das Studium der Schimpfworte. In seiner (mittlerweile eingestellten) Zeitschrift "Maledicta" veröffentlichte er unter anderem Aufsätze über römische Graffiti, katalanische Gotteslästerungen und kanadische Schwulenwitze.

"Beleidigungen sind ehrlicher als Kose- oder Lobesworte, weil sie aus dem tiefsten Hirn und aus der tiefsten Seele kommen". Außerdem ließen sie Rückschlüsse auf verschiedene Kulturen und ihre jeweiligen Tabus zu. In Papua-Neuguinea werde zum Beispiel vergleichsweise wenig und höflich geflucht, im Judentum gebe es dagegen einen reichhaltigen Wortschatz.

Die Ungarn und Rumänen seien laut Aman mit Abstand die Gemeinsten. Und der mieseste Spruch in seiner Sammlung? "O Gott, hör auf, mich ins Gesicht zu schlagen mit deinem Schwanz, der voller Scheiße ist, weil du gerade Jesus gefickt hast." So ein Satz geht selbst Schimpfwortexperte Aman nur ganz schwer über die Lippen.

Source:
www.fluter.de/heftpdf/issue101/artikel9532/pdf_article9532.pdf


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